Sehen und Wahrnehmung
Der Sehkegel: wo ein Bildschirm auffällt und wo nicht
Wir sehen längst nicht alles gleich scharf. Direkt vor uns ist die Sicht gestochen scharf, seitlich wird sie schnell unscharf. Diese scharfe Zone, der Sehkegel, bestimmt, ob eine Anzeige an der Straße überhaupt bemerkt wird.
Schau einmal geradeaus und versuche, ohne die Augen zu bewegen, etwas zu lesen, das ganz seitlich steht. Das klappt nicht, oder? Geradeaus siehst du scharf, aber seitlich wird alles verschwommen.
Diese scharfe Zone vor deinen Augen heißt Sehkegel. Für eine Anzeige an der Straße ist das super wichtig: Steht die Anzeige im Sehkegel des Fahrers, fällt sie auf. Steht sie zu weit seitlich, sieht der Fahrer sie einfach nicht.
Der Sehkegel (cone of vision) ist der Bereich vor den Augen, in dem das Sehen am schärfsten ist. Er hängt mit der Fovea und dem schnellen Abfall der Stäbchen jenseits von etwa 20° Sehwinkel zusammen. Untersuchungen an Autofahrern, dem Zielpublikum der meisten Außenanzeigen, zeigen, dass Anzeigen innerhalb des optimalen Sehkegels bemerkt werden können und solche außerhalb nicht.
Wie groß ist dieser Kegel?
Verschiedene Studien nennen verschiedene Werte. Die Verkehrsforschung verortet den optimalen Sehkegel meist zwischen etwa 10° und 35° um die Blickrichtung; manche Quellen empfehlen eine Platzierung innerhalb von 10° der Sichtlinie, andere innerhalb eines „optimalen“ Felds von 15°. Die gemeinsame Schlussfolgerung: Je näher an der Sichtlinie, desto größer die Chance, dass die Anzeige bemerkt wird.
Erst auffallen, dann lesen
Eine Anzeige muss zuerst auffallen (Conspicuity), bevor sie gelesen werden kann. Das Auffallen hängt von vielen Faktoren ab, doch die Platzierung ist der wichtigste. Die Zone, in der eine Anzeige optimal sichtbar ist, heißt Platzierungszone oder „Lateral Offset“. Erst danach kommen Zeichenhöhe und Leseabstand ins Spiel.
Die Fovea deckt nur ~2 % des Sehwinkels ab, liefert aber über den Okzipitallappen den größten Teil der bewusst verarbeiteten Bildinformation. Deshalb ist die Conspicuity (Erkennbarkeit) stark platzierungsabhängig: Eine Anzeige außerhalb des Sehkegels konkurriert mit der viel geringeren peripheren Auflösung und wird leicht übersehen.
Platzierungszone und Lateral Offset
Da der Sehkegel aus zwei rechtwinkligen Dreiecken besteht, wird der zulässige seitliche Abstand (Sign Placement Zone oder Lateral Offset) mit der Tangensfunktion des halben Kegelwinkels über den Leseabstand berechnet. Das ergibt je Geschwindigkeit und Zeichenhöhe einen maximalen Lateral Offset, wie in der Leseabstandstabelle angegeben. Der Kegel ist ein dreidimensionales Konzept: Sowohl horizontale als auch vertikale Abweichung zählen.
Erkennung versus Lesbarkeit
Die volle Sichtbarkeit einer Anzeige ist die Summe aus Erkennung (Conspicuity) und Lesbarkeit (Legibility). Eine perfekt lesbare Anzeige, die außerhalb des Sehkegels hängt, schneidet bei der Erkennung und damit bei der effektiven Sichtbarkeit schlecht ab. Platzierung und Zeichenhöhe müssen gemeinsam optimiert werden.